1.09.2016 | 05:33


 


was uns trennt

im garten vor mintgrüner wand sitzt sie
eingelullt vom rascheln der blätter
die knorrigen hände zum nichtstun gefaltet
ein weiches gesicht schreckt sie hoch
aus dem schlaf
sie kramt in ihrem gedächtnis
komm du erst in mein alter
ein monotoner blues, der
ins bewusstsein schleicht
noch im letzten licht harrt mutter aus
als seien die späten stunden ihr holder
doch alsbald ihr klagen
der aufziehende mond
holt sich schon wieder den tag
mutter, riechst du die birnen, sie reifen
so zerstreue ich ihre bedenken
ausnahmen sind es, denke ich
die wiegen die zeit behutsam auf armen
sie sitzen nicht im schatten
gelebter jahre wartend herum
sie lernen im alter die sprache der dichtung
markieren für sich den rand des möglichen

Karin Posth

aus »AUSGEWÄHLTE WERKE XVIII«

Name:
Passwort:
 

Passwort vergessen?

Jetzt registrieren!

schließen