4.08.2015 | 03:16


 


Die Güte über Dresden

Sie sah in die Nacht,
als Feuer vom Himmel
das Dunkel entflammt,
versteinert und stumm.

Sie sah auch am Tag,
als Häusergerippe,
wehklagend und wund,
sich reckten empor.

Und mit ihr die andern
mit Herzen aus Stein
und wettergeschwärzt,
die konnten nicht schrein.

Wo war nur die Weisheit,
Barmherzigkeit, Mut,
wo Liebe und Wahrheit?
Ein Opfer der Glut.

Auf Säulen fiel Pein.
Es lodert und sprühte,
es weinte der Stein,
es weinte die Güte.

Sie blickt auf Ruinen.
Wo Feuersbrunst glühte
von zahllosen Minen,
war hilflos die Güte.

Nacht war es und Winter,
als Hoffnung verglühte.
Vergeltung dahinter.
Wo war nur die Güte?

Helmut Rinke

aus »AUSGEWÄHLTE WERKE XVII«

 

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